LAS Art Foundation

Digital Booklet: Liminals

23. Januar — 8. März 2026

Einführung

Pierre Huyghe lädt dazu ein, uns neue Beziehungen zur Welt vorzustellen. Seine Werke funktionieren wie Gedankenexperimente, in deren Mittelpunkt häufig Ideen und Bedingungen stehen, die jenseits des menschlichen Erfahrungshorizonts angesiedelt sind. Mittels spekulativer Fiktion gestaltet er Begegnungen, die uns motivieren, auch andere Realitätsebenen in Betracht zu ziehen.

In dieser Auftragsarbeit untersucht Huyghe Konzepte des Ungewissen. Er fragt: „Wie können wir über einen einzigen Realitäts- oder Bewusstseinszustand hinausgehen? Können wir uns Bedingungen vorstellen, unter denen viele Möglichkeiten zugleich existieren, wobei jeder Moment ein Vielleicht ist und sich stets in ein Anderssein verwandeln kann? Ein unaufhörlicher Tanz der Materie, in dem verschiedene Zustände gleichzeitig erfahrbar werden?“

Im Laufe eines Jahres führte er Gespräche mit dem Quantenwissenschaftler Tommaso Calarco und dem Philosophen Tobias Rees, deren Einsichten in Quantensysteme die konzeptionellen und formalen Experimente des Projekts inspirierten.

Das Kunstwerk nimmt die Form eines Films an, der sich durch Licht, Sound und Vibration in die Architektur der Halle am Berghain ausdehnt. Es vermittelt ein Gefühl quantischer Ungewissheit und Vielfachheit. Damit sucht Huyghe dem Gestalt zu verleihen, was er als „radikales Außen“ der menschlichen Subjektivität bezeichnet und fordert uns zugleich auf, „die chimärische und fiktionale Natur unserer Erfahrung zu akzeptieren“.

Liminals porträtiert eine monströse, jenseits des Vorstellbaren liegende Unmöglichkeit. Es ist ein spekulativer Ansatz, der Zustände des Ungewissen in einen Kosmos verwandelt.“

— Pierre Huyghe

Film

In raumgreifender Größe entfaltet Liminals einen modernen Mythos. Angesiedelt an einem Ort außerhalb von Zeit und Raum, gibt es hier weder Anfang noch Ende, weder Innen noch Außen, sondern lediglich sich verändernde und sogar widersprüchliche Zustände. Huyghe beschreibt diese Sphäre als „einen Ort, an dem alle Möglichkeiten gleichzeitig bestehen, bevor eine Realität Gestalt annimmt und alle anderen potentiellen Zustände in den Hintergrund treten“. Im Film manifestieren sich einige dieser nicht realisierten Möglichkeiten in einer menschenähnlichen Gestalt.

Die Figur entspringt einer, in den Worten des Künstlers, „mineralischen Membran“. Eine Leere durchzieht ihren Kopf und suggeriert, dass sie von den Möglichkeiten beseelt sind, die uns unzugänglich bleiben. Wir beobachten ihre Versuche, zu existieren, zu kommunizieren und einem festen Zustand von Realität oder Bewusstsein zu entkommen.

Viele Stellen des Films entziehen sich einer klaren Einordnung und wirken fast wie Halluzinationen oder schwer fassbare Augenblicke innerhalb der fotorealistischen Simulation. Diese Sequenzen destabilisieren unsere Wahrnehmung und versetzen uns an einen Ort, in dem mehrere Möglichkeiten gleichzeitig existieren können. Hier verschwimmen innere und äußere Bereiche miteinander und die Unterschiede zwischen Körper, Umwelt und den Kräften, die sie formen, lösen sich zunehmend auf.

Indem er eine menschenähnliche Figur in dieses instabile Reich versetzt, konfrontiert uns Huyghe mit der Frage, ob wir eine solche Realität für uns nachempfinden können, und unter welchen Bedingungen es uns möglich würde, mehrere Seinszustände gleichzeitig zu erfahren.

Sound

Das dichte Sounddesign des Films erzeugt eine Klangerfahrung, die von einem breiten Frequenzspektrum geprägt ist. Huyghes Team experimentierte mit Werkzeugen, die Vibrationen im Weltraum messen, und ließ imaginäre akustische Eigenschaften einer fremden physikalischen Atmosphäre erklingen, um die vielschichtige Komposition zu schaffen.

Das Team arbeitete außerdem mit Wissenschaftler:innen am Forschungszentrum Jülich, um die im Film visualisierten Schwingungen von Materie auf Pasqals 100-Qubit Neutralatom-Quantencomputer zu simulieren. Statt ein einziges, unveränderliches Resultat zu produzieren, generierten diese Simulationen ein Feld möglicher Zustände, die anschließend in Momente des Filmsounds übersetzt wurden. Quantenforscher Tommaso Calarco vergleicht den Prozess mit dem Spielen eines Saiteninstruments; er beschreibt ihn als das „Zupfen an der Atomreihe des Computers, um ihren Widerhall zu hören.“

Vibration

Vibration ist ein zentrales Konzept dieses Projekts. Auf Quantenebene verhalten sich selbst kleinste Teilchen wie Wellen, die sich ständig bewegen und oszillieren. Klang funktioniert auf ähnliche Weise: Schwingungen in der Materie erzeugen die Wellen, die wir hören. Das Kunstwerk vereint diese Ideen und nutzt Vibration als Grundlage seiner Klangwelt.

Partikel

Im Film lenkt Huyghe unseren Blick immer wieder auf die Bewegungen von Teilchen. Sie vibrieren zwischen den Felsen oder strahlen von der Figur nach außen, als würden sie unsichtbaren Kräften gehorchen. Ihre Schwingungen bringen uns die Welt in ihren kleinsten Dimensionen nahe – eine Realität, die nicht aus statischen Formen besteht, sondern aus Partikeln, die unaufhörlich vibrieren und voneinander abhängig sind.

Licht

Ein wichtiges Element des Films und der gesamten Ausstellung ist Dunkelheit. Sie erzeugt ein Gefühl von Grenzenlosigkeit und schafft Bedingungen, unter denen Formen mehrdeutiger werden. In dieser dunklen Umgebung spiegelt und invertiert ein einzelner kreisförmiger Lichtstrahl die im Film zu sehenden schwarzen Leerstellen. Subtil auf die Schwingungen im Raum abgestimmt, erweitert das Licht den Film über die Leinwand hinaus.

Künstler

Pierre Huyghe

Pierre Huyghe ist ein in Santiago de Chile lebender Künstler. Für Huyghe hat jede Ausstellung einen eigenständigen Charakter, der sich in Zeit und Raum entfaltet. Seine Arbeiten, als spekulative Fiktionen konzipiert, erscheinen oft als Kontinuitäten zwischen unterschiedlichen Erscheinungsformen intelligenten Lebens – biologisch, technologisch oder materiell –, die lernen, sich verändern und weiterentwickeln. Huyghes Werke sind durchlässig, von ihren Umständen geprägt und dennoch oft gleichgültig gegenüber ihren Betrachter:innen.

Zu seinen jüngsten Ausstellungen zählen Liminal, Punta della Dogana – Pinault Collection, Venedig (2024) und Leeum, Seoul (2025); Chimera, EMMA, Museum für moderne Kunst, Espoo (2023); Variants, Kistefos Museum, Jevnaker (2022); After UUmwelt, Luma Arles (2021); UUmwelt, Serpentine Gallery, London (2018); After ALife Ahead, Skulptur Projekte Münster (2017); sowie The Roof Garden, Metropolitan Museum of Art, New York (2015).

2013 tourte eine Retrospektive von Pierre Huyghes Werk aus dem Centre Pompidou in Paris ins Museum Ludwig in Köln und ins LACMA in Los Angeles. 2019 war Huyghe künstlerischer Leiter des Okayama Art Summit: IF THE SNAKE.

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Credits

Pierre Huyghe: Liminals, 2026.
Auftraggeber: LAS Art Foundation
Mitauftraggeber: Hartwig Art Foundation
23. Januar — 8. März, 2026

Pierre Huyghe Studio

Kuratorin
Anne Stenne
Produzentin und Ausstellungsmanagerin
Paola Ravagni
Produktionsassistenz
Pablo Verdugo
Studioleitung
Anne-Sophie Tisseyre
Studio-Koordination
Laura Estévez

Film credits

Produzentin
Paola Ravagni
Künstlerische und technische Supervision
Raphaël Siboni


Film

Produzentin
Florence Cohen
Schnitt
Pedro Roca
Sounddesign
Ken Yasumoto
Original Sounddesign
Invisible Mountain
Foley Aufnahme und Mischung
Olivier Guillaume
Foley
Heikki Kossi
Kamera (Director of Photography)
Jonathan Ricquebourg, Noé Bach
1. Kameraassistenz
Flavio Manriquez, Arthur Patain, Camille Bert
Color Grading
Dirk Meier
Location Manager
Brieuc Schieb
Stunt Motion Capture
Rémi Canaple
Recherche
Anyssa Kapelusz, Alexandra Komaniecki, Marie Ward
Associate Producer
Anna Lena Vaney
Produktionsadministration
Sylvie Lardin


Unreal Engine

Unreal Supervision
Loops Creative Studio
Technische Leitung
Sébastien Albert
Developer
Kévin Maurice
IT
Jérémy Bepoix
Studioleitung
Johnatan Archier
Produktionsmanagerin
Sara Clairet
Produktionskoordination
Amandine Rubi
Hair Artist
Jérémy Delbos
Render Artist
Jérémy Bepoix
Leitung CG / Render Artist
Alexandre Bretheau
Praktikant
Loris Gomas
Lighting Artist UE
Gilles Dillenseger
3D Artist
Valentin Gillet



Künstliche Intelligenz

AI Designer
Martial Geoffre-Rouland
Programmierung
Yassin Siouda
Generative Bilder
Valentin Gillet, Guillaume Menguy

Quantum

Berater
Tommaso Calarco (Director, Institute for Quantum Control, Forschungszentrum Jülich), Tobias Rees (Founder, Limn)
Researcher, Forschungszentrum Jülich
Kristel Michielsen, Ashwin Kumar Karnad, Jhon Alejandro Montanez-Barrera, Andrea Rava
Quantum Noise AI Diffusion
Limn (Tobias Rees, Marius Jopen)
Sound Design
Guillaume Couturier



Scan 3D

Sample & Hold (Sam Jackson)
A New Design Studio (Sefki Ibrahim)



Movement Director

Frances Chiaverini



Motion Capture: Mocap Lab

CEO
Remi Brun
Stellvertretende Geschäftsführung
Robin Gaune
Technische Leitung
Frank Vayssettes
Produktionsmanager:innen
Alexandre Gomis, Châu Kim Nguyen
Produktionsassistenz
Juliette Catho
Motion Capture Set Supervision
Luca Jami
Acquisition Supervision
Charles Fougeront
Mocap Supervision
Christophe Cheul
Mocap Animation
Mathilde Renet, Oriana Kacimi, Thomas Grinsztajn, Sylvain Oliveira, Benjamin Brenneur, Florent Gayot



Skinning, Rigging, Simulation: Karlab

Charakter Supervision
Ali Hamdan
Charaktermodellierung
Denis Duchesnay, Florent Thuillette
Charakter Textur
Florent Thuillette
Charakter Rigging
Benoît Guillou, Nicolas Michel
Muskelsimulation
Yohan Clavel, Tristan Cordeboeuf
Forschung und Entwicklung
Tristan Cordeboeuf, Pierre Fabarez, Benoit Guillou
IT
Alain Victor
Studio Management
Laurent Guittard, Ali Hamdan
Virtuelle Kamera
La French Machine (Emmanuel Linot)
Kamera
RVZ (Philippe Guillemain), Be4Post (Mathieu Leclercq)
Studios
Studio Kremlin, Spline Visual Engineering
3D Rocks
Creaform
Sounddesign / Premix
Velvet Sound
Mischung
Sonamos
Foley
Midilive
Colour Grading
The Post Republic (Kader-Göbel), Farbkult (Erhard Giesen)
Versicherung
Rubini & Associés (Antoine Pialat)




LAS Projekt-Team

Founder und Chairman
Jan Fischer
CEO und Co-Founder
Bettina Kames
CFO, COO, CPO
Hilke Ludwigs
Leitung Programm, Kuratorin
Carly Whitefield
Assistenzkuratorin, Leitung Live- und Outreach-Programm
Agnessa Schmudke
Leitung Produktion und Planung
Alexis Convento
Produzentin
Harriet Collins
Produktionsassistent
Jordan Komlagan
Operation Manager und Ticketing
Alina Fichtner
Leitung Marketing und Brand
Felix Thon
Leitung External Relations und Kommunikation
Sophie Furse
Senior Kommunikationsmanagerin
Selin Şahin
Social Media Managerin
Veronica Jonsson
Junior Kommunikationsmanagerin
Cosima Otte
Graphik Design Praktikant
Leonhard von Aretin
Leitung Partnerschaften und institutionelle Entwicklung
Jaime Steers
Senior Managerin Partnerschaften und institutionelle Entwicklung
Alice Lamperti
Junior Manager institutionelle Entwicklung
Moritz Weber



Produktions- und Installations Team

Produktion, Welcome und Learning Space, Live Programme
Pierre Renard
Spatial Design, Welcome und Learning Space
Celeste Burlina
Produktionsassistenz
Joaquín Villaroel
Eventmanagement
Louise Nielsen
Stagehands
Juan Blanco, José Menéndez-Conde
Ausstellungsbau, Screens und szenografische Elemente
MWB Berlin
Audiovisuelle Installation
EIDOTECH
Projektorkalibrierung
Miga Bär
Rigging und Audio
TSE AG
Lichtdesign
Studio Barthelmes
Entwicklung, Interaktives Tool, Learning Space
Andrea Familari
KI-Komponente des interaktiven Tools
Claude (Anthropic)
Untertitel und Audiodeskription
Way Film
Closed Captioning App
Panthea
Audio Description App
Greta & Starks
Signage Produktion
FURORE WERBUNG
Besucherservice
x:hibit




Mit Dank an:

LAS-Team, Beatrix Ruf, Hartmut Neven, Amira Abbas, Michael Broughton, ShowTex, Berghain Ostgut (Andre Jürgens, Norbert Thormann, Krischan Makswitat), Sutton (Sara Kietzmann, Carlotta La Tour and Aniello Vallefuoco), Miles Schuler, Esther Schipper, Marian Goodman Gallery, Hauser & Wirth, Galerie Chantal Crousel, TARO NASU, Janine Armin, Sabine Bürger & Tim Beeby, pretix, Hood Security, ReFil Works.


Mitauftraggeber

Unterstützt von

Partner des Bildungsprogramms

Medienkooperationen

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